Tattoo-Styles. Was ist was? Die wichtigsten Stilrichtungen.

 

Tribal Tattoos: Die heutigen Motive gehen auf die schwarzen, scherenschnittartigen bzw. geometrischen Tatau-Ornamente der Polynesen... > mehr


 
Traditional Tattoos: Wenn es einen Tattoo-Stil gibt,
der stellvertretend für die westliche Kultur steht, dann der mit den traditionellen Motiven... > mehr


 
Biomechanische Tattoos: Die abartige und gleichsam faszinierende, kreatürliche Symbiose aus Mensch und chromblitzender... > mehr


 
Japanische Tattoos: Die japanische Kunst des Tätowierens hat verschiedene Namen. Tebori ist einer
von ihnen. Er beschreibt im Grunde... > mehr


 
Keltische Tattoos: Einer der aufwendigsten Tattoo-
Stile sind keltische Motive. Verschnörkelte Ornamente verlangen... > mehr


 
Indianer Tattoos: Der Name täuscht - mit den Hautbildern der Ureinwohner Nordamerikas haben die hierzulande bekannten... > mehr


 
Fantasy Tattoos: Eskapistische Welten auf der Haut
gibt es etwa etwa seit den 70er Jahren... > mehr


 
Natur Tattoos: Tier- und Pflanzentattoos standen von Anbeginn europäischer Tattoo-Kunst... > mehr


 
Horror & Tod Tattoos kamen erst mit den beiden Weltkriegen in "Mode". Salonfähig machten sie erst die Rocker und Biker der 70er... > mehr


 

Comic Tattoos: Comic-Figuren haben längst ihren
Einzug in die Tattoo-Szene gehalten... > mehr

 


Tribal Tattoos
 

Die heutigen Tribal-Motive gehen auf die schwarzen, scherenschnittartigen bzw. geometrischen Tatau-Ornamente der Polynesen zurück. Es waren deren Tribal-Tattoos, die die Seefahrer zum aller ersten Mal aus Tahiti mit nach Europa brachten, bevor schließlich durch den Einfluss der Matrosen die maritimen ...

... Symbole, die heutigen Traditional Tattoos, entstanden und die Stammeszeichen der Urvölker verdrängten. Tribal Tattoos gerieten in Vergessenheit. Erst 1982 erlebten die Tribal Tattos eine fulminante Renaissance, als der amerikanische Innovator Don Ed Hardy gemeinsam mit Leo Zulueta das Magazin "Tattoo Time" herausbrachte. Aufmacher der ersten Ausgabe: "New Tribalism." Vorgestellt wurden Stammestätowierungen aus Samoa und Borneo, die die Tattoo-Szene als neue (bzw. alte) Stilrichtung für sich entdeckte.

Und nicht nur das: die höchst eigene Ornamentik der Tribal Tattoos, schwarz und nicht selten gediegen, schwächten die negativen Assoziationen, mit denen Tattoos die Jahre zuvor immer belegt worden waren. Schon nach einem halben Jahr waren die schwarzen Tribals das Symbol Nummer 1.

Auch heute gehören die Tribal-Bilder zu den beliebtesten Hautmotiven. Es gibt viele Tätowierer, die sich weigern, simple Tribal-Flashs zu stechen, weil sie ihrer Meinung nach kaum eine Herausforderung für den Künstler darstellen. Das ist nicht ganz korrekt: Denn Tribal-Muster richtig gestochen, ordnen sich der natürlichen Linienführung der Muskulatur an und wirken so wie ein gewachsener Teil des Körpers, der zusammen mit dem Tattoo zum Gesamtkunstwerk wird. Ein wahrer Meister des Tribal-Fachs ist Trend-Mitbegründer Leo Zulueta. Eine ganz besondere Tribal-Form beherrscht die Deutsche Yvonne Ziegler.



Traditional Tattoos
 

Wenn es einen Tattoo-Stil gibt, der stellvertretend
für die westliche Kultur steht, dann der mit den traditionellen Motiven: Kreuz, Herz und Anker.
Tätowierungen wurden nach der Entdeckung der Inselgruppen Polynesiens im 17. Jahrhundert zum Souvenir der Seefahrer, die die Südsee bereisten, wobei sich allerdings schnell die tribalistische Kunst
der Urvölker, die später ihre Renaissance in den Tribal Tattoos fand, mit den Bilderwünschen der Kunden,
der Matrosen, zu einer neuen, meist aber einfach strukturierten Symbolsprache verband.

Anfangs Palmen und Pin-Ups, zur Erinnerung an die geographischen Gegebenheiten und an die netten Hula-Mädels auf den pazifischen Eiländern. Im Verlauf der Zeit ergaben die Wünsche der Matrosen einen ganzen Katalog maritimer Symbole, die wir heute als "Traditional Tattoo" bezeichnen: Segelschiffe, Anker, Kreuz, gekreuzte Schwerter, Kanonen, Spruchbänder, Jahreszahlen, Panther-Köpfe, Tiger, Rosen, Schlangen, Hände, Herzen mit Initialen, Herzen mit einem Dolch, Herzen mit Flammen. Selbstverständlich besaßen diese Symbole eine Bedeutung. Mehr darüber unter Symbolik.

Wahre Meister der Traditional Tattoos waren der in New York arbeitende, deutschstämmige Charles Wagner und der in Hamburg auf St. Pauli tätige Christian Warlich, die zum Ende des 19. Jahrhunderts bis in die späten 1940er Jahre ihre Blütezeit erlebten. Ihre Traditional Tattoos überzeugen heute durch fette Outlines, kräftige Farben und einfach strukturierte Motive. Meist nennt man sie dann auch Oldschool.



Biomechanische Tattoos
 

Die abartige und gleichsam faszinierende, kreatürliche Symbiose aus Mensch und chromblitzender Maschine, geschaffen von »Alien«-Schöpfer H. R. Giger. Biomechanische Tattoos zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Daran haben sich schon Kunstkritiker versucht, und sind kläglich gescheitert.

Der Schweizer Künstler ist Ende der 70er Jahre am Design der Ausstattung solcher Kultfilme wie »Dune – Der Wüstenplanet« oder »Alien« beteiligt. Die dafür von ihm geschaffene, kreatürliche Symbiose aus Mensch und chromblitzender Maschine setzt er auch in populären Zeichnungen und Airbrush-Bildern um. Das wirkt abartig. So soll es auch sein. Maschinen wirken wie in die menschlichen Organe transplantiert. Kabel verlaufen durch den Kopf. Rohre in die Genitalien.

Die sexuellen, phallischen, morbiden, agilen, surrealistischen und doch beängstigend realistischen Zukunftsphantasien stoßen dank ihrer Verbindung mit der natürlichen Biologie des Menschen bei den Tätowierern auf viel Resonanz. Da klaffen plötzlich Oberschenkel auf, und es blitzt das Räderwerk eines Terminators darunter hervor.
Oder es hängen einfach nur die Kabel heraus...



Japanische Tattoos
 

Die japanische Kunst des Tätowierens hat verschiedene Namen. Tebori ist einer von ihnen:
Er beschreibt im Grunde aber die eigentliche
Arbeit des Tätowierens, die traditionelle Form
des 'Hautzupfens', den die Horishi, die Tätowiermeister, ausüben.

Irezumi bedeutet im Grunde das Gleiche, wird
aber meist als Synonym für die japanische ...

... Ganzkörpertätowierung verwendet, die sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte. Irezumi ist abgeleitet von 'Ire' (jap.: einführen) und 'Zumi' (jap.: Tinte). Kennzeichnend für das japanische Nihon Irezumi (die schmückende Tätowierung) sind die Helden aus der in Japan bekannten Novelle Suikoden, die vor einem stilisierten Wellen- und Wolkenhintergrund agieren. Wobei heutzutage aber auch häufig Motive aus dem Buddhismus eine Aufnahme in das 'Nihon Irezumi' finden. Wichtig dabei ist, dass sämtliche Motive auf Armen, Beinen und Brust in logischem Zusammenhang stehen, damit ein für Japaner ganzheitlicher, in sich schlüssiger Eindruck der Tätowierung entsteht. Wintermotive dürfen also nicht zu Sommersymbolen, und
ein Drache nicht zu einem Karpfen.

Viele europäische und amerikanische Tätowierer, die sich auf den 'japanischen Stil' spezialisiert haben, übersehen diesen Aspekt und tätowieren ein Kuddelmuddel aus verschiedensten Motiven zu einem japanischen Anzug. Ein japanischer Anzug sieht übrigens tatsächlich einem herkömmlichen Anzug ähnlich. Er schließt am Bauch wie ein Sakko und läuft knapp unter dem Po wie die Frackflügel aus.

Der japanische Meisterstecher Horiyoshi III erläutert: "Für einen
guten Tätowierer reicht es nicht aus, nur die Irezumi-Technik zu beherrschen. Er muß sich sehr gut in der japanischer Geschichte auskennen, in der Mythologie, Buddhismus und Kunst, anders ist es nicht möglich, die Bedeutung und Symbolik der vielen Bestandteile und Motive einer japanischen Tätowierung zu verstehen." Wer einmal mit einer Irezumi-Tätowierungen begonnen hat, ist auf ein Thema festgelegt. Aber das macht dessen Reiz aus.

Die Tätowier-Prozedur schreitet über Jahre konzentriert voran:
"Man muss sich vorstellen, man könnte die Haut abziehen und die ganze Tätowierung komplett betrachten. Dann muss das aussehen wie ein Bild, wie eine Ansicht. Alles muss zusammenpassen." Daher rührt auch eine andere Tradition: ein Irezumi wird in Japan von einem Tätowierer angefangen und beendet und zum Schluss signiert. Es ist Ehrensache, den Tätowierer nicht zu wechseln. Wenn ein Tätowierer mitten drin stirbt, muss der Träger Zeit seines Lebens mit einer unfertigen Tätowierung herumlaufen.



Keltische Tattoos
 

Einer der aufwendigsten Tattoo-Stile sind keltische Motive. Verschnörkelte Ornamente verlangen vom Tätowierer höchste Konzentration und ein mathematisches Geschick.

Die Kelten, die Bewohner des nördlichen Britanniens und Kaledoniens, verherrlichten die Schöpfer- und Lebenskräfte, an denen das ...

... weibliche und das männliche Prinzip in vorbildlichem Gleichgewicht beteiligt waren. Das Leben an sich war für die Kelten die treibende Kraft im Kosmos, darin offenbarte sich die höchste Weisheit, das Göttliche in seiner unendlichen Vielfalt. Der Tod spielte eine untergeordnete Rolle - eine kurze Unterbrechung in einem ewigen,
sich fortwährend wandelnden Kreislauf.

Typisch für keltische Tattoos sind daher verschlungene Ornamente, komplizierte Flechtwerkmotive und Spiralmuster - meist schwarz -, die irische Mönche im frühen Mittelalter (viertes bis zehntes Jahrhundert n. Chr.) für Buchmalereien einsetzten.

Diese Symbolik, die ein hohes Maß an mathematischen und geometrischen Kenntnissen erfordert(e), fand sich auch auf steinernen Monumenten, zum Beispiel an den sogenannten "Keltischen Kreuzen". Das "Keltische Kreuz" symbolisiert getreu dem keltischen Glauben die Vereinigung der entgegengesetzten Sphären: oben und unten (Himmel und Erde), rechts und links (männlich und weiblich). Der Kreis - die perfekt geschlossene Form, der ewige Kreislauf, das göttliche Symbol - unterstreicht diese Vereinigung.



Indianer Tattoos
 

Der Name täuscht - mit den Hautbildern der Ureinwohner Nordamerikas haben die hierzulande bekannten Indianer Tattoos meist nur wenig zu tun. Bei Indianer Tattoos handelt sich – in nostalgischer Verklärung – meist nur um idyllische Stimmungsbilder, wie man sie bestimmt schon einmal in Wildwestfilmen gesehen hat.

Ihren Einzug in die Tätowierung hierzulande hat diese Bildform Mitte des 19. Jahrhunderts gehalten, als die Neue Welt von den Siedlern erschlossen wurde. Ihr übriges taten Schriftsteller wie Fenimore Cooper (Lederstrumpf) und Karl May (Winnetou).

Es sind insbesondere die Hippies in den 60er Jahren sowie die Rocker und Biker in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die die endlosen Weiten der Prärie, die Naturverbundenheit und die Freiheit der Indianer für sich entdeckten: Die Indianer waren Outlaws, und die langhaarigen Hippies in ihren wallenden Gewändern oder die bärtigen Biker in ihren Lederkluften fühlten sich ebenso.

Zu den bevorzugten Indianermotiven gehören die Köpfe stolzer Indianerhäuptlinge, Tomahawk und Friedenspfeifen und den Indianern nahestehende Motive wie Adler, Falken, Bären oder Federn, die insbesondere das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit symbolisieren.

In den letzten Jahren ist allerdings ein deutlicher Trend hin zu den echten Indianer-Tattoos festzustellen. Diese, »Haida« genannt, stellen schwarz-rot stilisiert Motive dar, die in enger Verbindung mit dem sprituellen Leben der Westküstenindianer stehen: mystische Tiere wie Adler, Wale, Lachse oder Schildkröten.



Fantasy Tattoos
 

Lange bevor J. R. Tolkien in die Welt der Hobbits entführte, flüchteten sich Menschen in dem ihnen eigenen Eskapismuswunsch in andere, schönere Welten: Tarzan, Quatermain oder Conan waren Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Helden eines Genres, das sich Heroic
Fantasy nannte.

Futter für all die, die sich unter die Tätowiernadel begeben und sich selbst mit Motiven, der Fantasy-Literatur entliehen, einen Hauch Heroismus verleihen. Die Märchen, Märchen-Epen und - last not least - die Tolkiens Hobbit-Welt eröffnen den Tattoo-Künstlern die schöngeistige Seite der Fantasy: Prinzessinnen, Elfen, Zwerge, Zauberer und Kobolde, manchmal aber auch verschwunsche, trutzhaftige Burgen auf bizarren Felsformationen - die Fantasy-Literatur bieten eine wahre Fundgrube für Tätowierer. Für den Tätowierten stellen sie unterdessen einen Dialog mit seiner Phantastie, seinen Wünschen, seinen Hoffnungen, seinem inneren Leben dar.

Seit Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre, seit »Die Nebel von Avalon« von Marion Zimmer Bradley der Keltenlegenden zu magischer Populariät verhalf, werden Fantasy-Motive auch mit keltischen Tattoos kombiniert; was nahe liegt, denn beides verbindet der Hauch der Magie: Zwerge, Helden, Zauberer und Einhörner.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts vermengt sich die Fantasy zunehmend mit der SF; Cyber- und Robotermotive, nicht selten durch H.R. Gigers Biomechanical beflügelt, halten Einzug. Tattoo-Künstler wie Paul Booth, David Bollt oder Waldi sind deren wichtigste Vertreter.



Natur Tattoos
 

Tier- und Pflanzentattoos standen von Anbeginn europäischer Tattoo-Kunst hoch im Kurs. Tieren, wie zum Beispiel Schmetterlinge, Tiger, Löwen oder Schlangen sowie Pflanzen (ganz besonders Rosen) wird eine bestimmte Symbolik zugesprochen.

Pflanzen-Tattoos sprechen mit ihrer Poesie vor allem die weibliche Kundschaft an. Mit besonderer Raffinesse ausgestaltet sind die Blumen-Tattoos aus Japan, vor allem Pfingstrosen, Kirschblüten
oder Chrysanthemen.



Horror & Tod Tattoos
 

In den Anfängen der Tätowierung waren die Horror- und Tod-Motive eher selten; einzig die Soldaten der beiden Weltkriege ließen sich, tagtäglich mit dem Tod konfrontiert, eben diesen auf die Haut stechen. Vielleicht, um sich so vor dem wirklichen Tod zu schützen.

Die 70er Jahre waren schließlich die Hightime der Biker und ihrer Harley Davidson, des schwermütigen, alles vernichtenden Heavy Metals, der lärmenden Rockmusiker und der genialen Horrorfilme ("Halloween", "Freitag, der 13."). Fürwahr ein unheilschwangeres Konglomerat, das Tattoo-Fans zu düsteren Motiven inspirierte, auf denen Teufel, Vampire, Skelette, Zombies, Hexen und der allzeit grinsende, vom Grauen dieser Welt kündende Totenkopf zu sehen waren.

In unserer Zeit, in der Mord und Totschlag uns tagtäglich umgeben
und das moderne Leben sowieso ein unebener Weg ist, drücken
solche Motive auch unsere Angst vor der Zukunft aus.



Comic Tattoos
 

Comic-Figuren haben längst ihren Einzug in
die Tattoo-Szene gehalten. Ob Superman, Mickey Maus, Donald Duck, Fred Feuerstein, Asterix, Popeye oder Pennywise - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um die humorvollen Comic-Tattoos geht.

Eine tiefere Symbolik besitzen Comic-Tattoos selten, hier geht es
mehr um den Unterhaltungswert beziehungsweise die nostalgische Erinnerung des Tattoo-Trägers an die Kindheitslektüre. Natürlich müssen nicht unbedingt die Figuren aus den Bildergeschichten tätowiert werden. Auch normale Motive können in einem comicesken Style gestochen werden: mit dicken Outlines, farbenfroh und witzig.

Erlaubt ist deshalb, was gefällt. Ihren Anfang hat die comiceske Stilrichtung möglicherweise mit den Pin-up-Girls früherer Zeiten gefunden, die bei Seefahrern sehr beliebt waren. Aber als gesichert
gilt diese Annahme freilich nicht.

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